Was können Regionen und Städte gegen die Abwanderung von Fachkräften tun?  

Überall in der EU stellt die Abwanderung von Fachkräften, der „Braindrain“, die Regionen vor Probleme. Die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften bekommen die sozioökonomischen Auswirkungen des erheblichen Verlusts an Hochqualifizierten ganz unmittelbar zu spüren. In einer neuen Studie , die am Dienstag in der Sitzung der Fachkommission SEDEC des Europäischen Ausschusses der Regionen (AdR) präsentiert wurde, werden Wege aufgezeigt, wie die Regionen für qualifizierte junge Menschen (wieder) attraktiver werden können.

Die Studie wurde von José Ignacio Ceniceros (ES/EVP), SEDEC-Vorsitzender und Präsident der Regionalregierung von La Rioja, in Auftrag gegeben. „Wir dürfen nicht zulassen, dass ein Europa mit Regionen und Bürgern erster und zweiter Klasse entsteht. Viele der für die Beseitigung der Ursachen des Braindrain ausschlaggebenden Bereiche, etwa Bildung, Beschäftigung, Sozialpolitik und Forschung, fallen in den Zuständigkeitsbereich der Fachkommission SEDEC. Wir haben schon bei vielen Gelegenheiten nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die EU-Kohäsionspolitik spezifische Maßnahmen für Regionen umfassen sollte, die sich demografischen Herausforderungen gegenübersehen. In der neuen Studie werden nun Möglichkeiten aufgezeigt, wie die lokalen und regionalen Gebietskörperschaften die Abwanderung von Talenten verhindern oder eindämmen und ihre negativen Auswirkungen abfedern können“, so Ceniceros.

Sowohl die Nachfrage nach Nachwuchskräften als auch ihre Abwanderung werden von den Arbeitsmärkten bestimmt. Dennoch gelangt die Studie zu dem Schluss, dass auf die jeweilige Situation zugeschnittene Strategien und Maßnahmen, die auf lokaler bzw. regionaler Ebene umgesetzt werden, um hochqualifizierte Fachkräfte von einer Abwanderung abzuhalten, sie anzuziehen oder wieder zur Rückkehr zu bewegen, wirksam sein können. Ausgehend von 30 erfolgreichen Initiativen lokaler und regionaler Gebietskörperschaften in 22 Mitgliedstaaten werden den Regionen und Städten in der Studie folgende Schritte empfohlen:

bessere Erfassung der Bedürfnisse von Talenten, u. a. durch einen Dialog mit jungen Menschen;

bessere Abstimmung mit den relevanten Akteuren, die in dem jeweiligen Gebiet von der Verfügbarkeit fähiger Köpfe profitieren;

Erfassung und Unterstützung der Sektoren, die ausschlaggebend dafür sind, Hochqualifizierte zu halten oder anzuziehen;

Förderung der Zuwanderung von Fachkräften aus anderen Gebieten;

Minderung/Beseitigung struktureller Hindernisse für die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland

Zusammenarbeit mit anderen Behörden, die mit denselben Schwierigkeiten in Bezug auf hochqualifizierte Fachkräfte konfrontiert sind.

Mehrere AdR-Mitglieder äußerten ihre Besorgnis über das Phänomen Braindrain. So wies die Budapester Stadträtin Kata Tüttő (HU/SPE) darauf hin, dass in ihrer Stadt u. a. Fachkräfte in den Gesundheitsberufen, Kodierer, Lehrkräfte und Techniker fehlten: „Aufgrund des Fachkräftemangels fällt es uns schwer, die EU-Vorgaben im Bereich der Abfallbewirtschaftung sowie in vielen weiteren Bereichen zu erreichen.“ Als Hauptursache für die Migration nannte sie das Lohngefälle zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten.

Der Vorsitzende des autonomen Bezirks Bratislava, Juraj Droba (SK/EKR), betonte wiederum, dass das soziale Kapital von entscheidender Bedeutung für die Qualität des Geschäftsumfelds und den allgemeinen Wohlstand ist. „In der Slowakei stellt die Abwanderung von Hochschulabsolventen und hochqualifizierten Fachkräften eine ernsthafte Gefahr für den Wohlstand dar. Das Schlimmste ist, dass diese Menschen nicht mehr zurückkommen“, so Juraj Dobra.

Der Vorsitzende des Stadtrats von Espoo und Erste Vizepräsident des AdR, Markku Markkula (FI/EVP), wies darauf hin, dass selbst die reichsten Regionen in Europa mit der Abwanderung der besten Köpfe zu kämpfen haben – diese gingen oftmals an Top-Universitäten in den USA. Die interregionale Zusammenarbeit und der Austausch bewährter Vorgehensweisen seien wichtig, um „die lokale Wirtschaft attraktiver zu machen und so junge Menschen zurückzuholen, damit sie Unternehmen gründen und sich in die Forschungs- und Innovationstätigkeit vor Ort einbringen“.

Die Weiskirchner Gemeinderätin Helma Kuhn-Theis (DE/EVP) schlug vor, die Breitbandversorgung in ländlichen, abgelegenen Gebieten zu verbessern, da sie ein ausschlaggebender Faktor dafür sei, jungen Menschen dort mehr Möglichkeiten zu bieten und so der Abwanderung von Talenten entgegenzuwirken. Die Zusammenarbeit zwischen dem AdR und der Europäischen Kommission zu diesem Thema findet im Rahmen der Breitband-Plattform statt, die am Dienstag im Anschluss an die Sitzung der Fachkommission SEDEC zusammenkam. Dabei tauschten sich die Mitglieder mit den Fachleuten der Europäischen Kommission insbesondere darüber aus, wie die Chancen, die die neue Fazilität „Connecting Europe“ und der Breitbandfonds bieten, am besten genutzt werden können.

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